Krimiautorin und Kolumnistin aus Lübeck. Stammt aus dem Harz und hat in Göttingen und Hamburg gelebt.

Das Blaue vom Himmel

Blaue RiesenbrilleHeute bin ich blau!
Heute mache ich blau!
Heute könnt Ihr mit mir das blaue Wunder erleben!

Aber nicht, dass am Ende noch jemand den Blues bekommt…

Der Neujahrstag ist ein geradezu ideales Datum, um sich mit Redewendungen rund um die Farbe Blau zu beschäftigen.

 

 

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Das Meer

Aufgewühltes Meer bei Dahme Wer ein schwieriges Jahr hinter sich hat oder zumindest ein Jahr, in dem es Anlässe zum Verzweifeln gab, möge bedenken:

Ein ruhiges Meer macht keine guten Seeleute.

Ein Mann am Strand bei aufgewühlter SeeMal wird diese Erkenntnis als afrikanisches Sprichwort zitiert, mal als bretonische Weisheit. Fest steht: Auch an Nord- und Ostsee ist sie gültig.

Und wer sich durch Widrigkeiten navigiert hat, hat als guter Seemann die Hoffnung, dem nächsten Sturm gewachsen zu sein. In diesem Sinne: Sammeln Sie Ihre Kräfte für den nächsten Aufbruch, wappnen Sie sich für Überraschungen aller Art auf hoher See!


Fotos: Karla Letterman

Hirschpirscher in der Stadt

Karla Letterman mit Hirschpirscher-HutIm November 1887 betrat Sherlock Holmes als schrulliger, hochintelligenter Detektiv die Weltbühne. 132 Jahre später ist die Kunstfigur noch immer populär – und mit ihr eine ganz besondere Kopfbedeckung, die  Deerstalker Cap. Zu deutsch: die Hirschpirscher-Kappe. Eigentlich ist dieser Hut bei Sherlocks Arbeit vollkommen unangebracht. Mehr…

Keine Zukunft ohne Bauern!

Bauern auf dem Weg zur Demo in Berlin Da staunte die Redaktion der Lübecker Nachrichten (LN) nicht schlecht: Am Nachmittag des 27. November fuhren verärgerte Leser*innen vor dem Verlagsgebäude vor – im Traktor. „Keine Zukunft ohne Bauern!“ hatten sie auf ein Plakat geschrieben. Und dann erklärten sie dem Chefredakteur den Anlass ihres Unmutes, nämlich eine Karikatur in der Mittwochsausgabe. Sie zeigt zwei Menschen im Gespräch vor einem Bienenstock am Rande eines Feldes, auf dem ein Trecker unterwegs ist. Die beiden staunen über neue Sorten wie „Glyphosathonig“ und „Nitrathonig“.

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Schreiben ist Goldt

Schreiben ist Goldt - Max GoldtWer den Schriftsteller Max Goldt live erlebt, stellt sehr schnell fest: Für das Bad in der Menge ist der Mann nicht gemacht. Er wirkt, als wolle er sich nicht feiern lassen. Er mag außerdem keine Interviews, das hat er schon oft betont. Man könnte sagen: Reden ist Silber, Schreiben ist Goldt. Mehr…

Schlafplatz neben der Autobahn

Krähenbaum an der Lohmühle in LübeckNeues aus meiner Reihe „verkannte Tiere“: In unserem Viertel gibt es einen Krähenbaum, der über magische Anziehungskräfte verfügen muss. Zum ersten Mal beobachtete ich das Schauspiel vor etwa einem Jahr, doch ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Ich fuhr im Dämmerlicht über die Lübecker Lohmühle, eine unwirtliche vierspurige Straße bei der Autobahn. Da wurde es auf einen Schlag dunkel.

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Die kleine Schwester des Hutes

Bild von ArtTower auf Pixabay (Fliegermütze)Sie schützt vor Regen und Wind, wärmt die Ohren und kann das Aussehen ganz beträchtlich verändern. Die kleine Schwester des Hutes, die Kappe, hat eine eigene Würdigung verdient!

Fliegermützen verleihen nicht nur Pionierinnen wie der Pilotin Elly Beinhorn ein verwegenes und entschlossenes Aussehen.  Sie umgeben ihre Trägerin, ihren Träger mit dem Hauch von Aufbruch, selbst wenn sie nur auf dem Weg zum Supermarkt getragen werden. Mehr…

Das Geheimnis von Grüngel-Brot

Bunte Paprikaschoten

Zutaten für Grüngel-Brot

Als ich mit meiner Freundin Elke über gesunde Ernährung plauderte, überraschte sie mich mit folgender Mitteilung:

„Ich mache mir mittags jetzt oft Grüngel-Brot. Das ist schnell zubereitet und wird jedes Mal anders. Echt lecker!“

„Und was ist ‚Grüngel‘?“, fragte ich verblüfft, denn davon hatte ich nie gehört. Mehr…

Transparenz bei der Online-Bewertung

Sternchen in der Online-Bewertung Transparenz ist was Tolles. Was geschieht, ist klar ersichtlich, Mauscheleien wird der Riegel vorgeschoben. So haben wir den Begriff Transparenz kennen und schätzen gelernt.
Bewertungen, die man in digitaler Form vornimmt – meist, indem man Sternchen verteilt – sollen für Transparenz sorgen. Kunden bewerten den Anbieter, damit andere Kunden sich im Vorfeld informieren und vergleichen können.
Ich habe Transparenz im Internet in einer für mich neuen Form erlebt. Mehr…

Tuckernd in die Zukunft

Aufnahme des FahrgastbetriebsHeute Nachmittag wurde in Lauenburg der Fahrgastbetrieb des autonom fahrenden Kleinbusses „TaBuLa“ aufgenommen. Die Abkürzung steht für „Testzentrum für automatisiert verkehrende Busse im Kreis Herzogtum Lauenburg“. Dass es sich um Testbetrieb handelt, merkt man schnell: Der putzig daherkommende Kleinbus fährt noch etwas stotternd, tuckernd in die Zukunft.

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Rhetorik zum Tag der Einheit

RichtungspfeileEs ist ein alter rhetorischer Trick. Man antwortet auf eine Frage, die gar nicht gestellt wurde, und lässt die tatsächlich formulierte Frage links liegen.

Die Formulierung ‚links liegen lassen’ ist in diesem Fall unfreiwillig passend, denn es geht um den Landesvorstand der Nord-AfD. Der hat im Zusammenhang mit dem Parteiausschluss seiner Ex-Vorsitzenden bekannter Maßen eine so deutlich rechte Haltung eingenommen, dass selbst der AfD-Bundesvorstand dagegen fortschrittlich wirkt. Mehr…

Spinnerei von der Zucker-Spinne

Es war einmal eine Spinne, die lebte im Konferenzraum einer großen Firma. Dort fanden oft Treffen und Vorträge statt, und die Spinne hockte in der dunklen Ecke unterm Fensterbrett und lauschte. Sobald sich eine Konferenz ohne Frauen abspielte, redeten die Männer ein bisschen über Berufliches und viel über das weibliche Geschlecht.

Wenn die Männer eine Frau anhimmelten, sprachen sie von der Zuckerschnitte. Wenn sie eine Frau süß fanden, war sie das Zuckermäulchen. Auch von Zuckerstück und Zuckerschnute redeten sie.

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Ich bastle mir ein Paradies

Tomaten und Blüten wie im ParadiesWer einen schönen Garten gehabt hat und plötzlich darauf verzichten muss, braucht womöglich Zeit, um sich an den verringerten Auslauf zu gewöhnen. Doch wie für viele Alltagslagen gibt es auch hierfür einen Karla-Letterman-Tipp: Man bastele sich ein Paradies!

Samen in einer StreichholzschachtelUnd das geht so. Man nehme einen Balkon… Mehr…

Der Boater zum Badedress

Zwei Herren im historischen Badekostüm mit BoaterHabe ich erst gestern Vormittag über die Vielfalt an Strohhüten philosophiert, begegnete mir gleich am Abend ein bislang unerwähntes Exemplar. Während der Lübecker Museumsnacht zeigten Models nämlich historische Badekostüme, sehr neckisch gestreift übrigens.

Die Damen wiegten sich kokett im gerüschten Anzug, den Herren verging auch im aufgehübschten Kartoffelsack das Lächeln nicht. Mehr…

Strohhüte – nicht nur für südfranzösische Weinbauern!

Bild von Gerhard Gellinger auf Pixabay (Strohhut)

Strand-Strohhut, Foto: Gerhard Gellinger, Pixabay

Die meisten denken bei Strohhüten wahrscheinlich an Strandspaziergänge und Sommerurlaub. Passt ja! Die Hüte schützen das Gesicht vor der Sonne und sind gleichzeitig so leicht, dass man nicht zusätzlich schwitzt.

Wenn ich „Strohhut“ höre, denke ich unweigerlich an südfranzösische Weinbauern. Ich sehe sie mit prüfendem Blick durch die Reihen der Rebstöcke  laufen, die Augen von der Krempe beschattet. Mehr…

Die Faszination alter Technik

Bahnhof Gittelde im Südharz

Bahnhof und Stellwerk Gittelde

Immer wenn ich mit der Bahn durch Gittelde fahre, wünsche ich mir, einen Blick in das Bahnstellwerk auf die alte Technik werfen zu können.

Noch erfolgt nämlich die Stellung von Fahrwegelementen, Weichen, Gleissperren und Signalen mechanisch. Noch ist das Stellwerk in dem kleinen Ort am Harzrand bemannt. Noch kurbelt der Fahrdienstleiter die Schranken an den Bahnübergängen händisch nach unten und zurück nach oben. Mehr…

Düstere Blüten

Düstere BlütenblätterWendet man den Blick nach rechts, tummeln sich dort neuerdings wieder erschreckend viele Gestalten. Ließen sich vor 30 Jahren vielleicht ein paar Jungs mit kurzgeschorenen Haaren und leicht deutbaren Klamotten-Labels blicken und versperrten fast die Sicht auf vorsichtig an die Wand gedrückte Vertriebenenfunktionäre und klammheimliche Sympathisanten vom Rand des Bürgertums, treibt das, was in unserer Gesellschaft lange als das Ewiggestrige galt, heute mannigfaltig düstere Blüten. Mehr…

Die prachtvollen Stockrosen

Die prachtvolle Stockrose vor einem HausJeden Sommer sehen sie unterschiedlich aus: die prachtvollen Stockrosen-Rabatten vor den Gartenzäunen. Die Pflanzen, zweijährig, säen sich selbst aus, wenn man sie nicht herunterschneidet. Deshalb bleibt die Farbmischung ein wenig dem Zufall überlassen.

Ich erinnere mich noch genau, wann sie mir zum ersten Mal aufgefallen sind: das war 1993 in Gdansk. Ich konnte mich nicht sattsehen an dem bunten Schmuck, der jedes noch so graue Haus in eine fröhliche Sommerresidenz verwandelte.

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Ergriffenheit in Zeiten der Avatare

Clown Carillon bei der LiebeserklärungNie war es so einfach wie heute, sich Vergnügen im Sinne von Ablenkung zu verschaffen. Streaming-Dienste, Playstations und Computerspiele sind für viele Menschen zugänglich und werden von vielen genutzt. Doch was bewegt User über das reine Beschäftigtsein hinaus? Wie sieht es mit ihren Gefühlen aus? Anders gefragt: Schafft man durch Shows und Videos Ergriffenheit in Zeiten der Avatare?

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Eine Kunsttankstelle beim Holstentor

Der Hof der KunsttankstelleEine Tankstelle der besonderen Art findet man ganz in der Nähe des Lübecker Holstentors. Der Verein Defacto Art betreibt dort die Kunsttankstelle.

Wo früher Autos versorgt wurden, stellen Künstler*innen jetzt Skulpturen und Bilder aus. In den ehemaligen Garagen sind kleine Ateliers und Lagerräume untergebracht, und eine helle Halle bietet Platz für Vernissagen, Lesungen und Feiern.

„Wenn die Reisebusse in der Wallstraße parken, zücken die Touristen als erstes ihre Handys und machen ein Foto von unserem Schutzengel“, erzählt Peter Fischer, der Vorsitzende von Defacto Art.

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180. Badejubiläum in Bad Lauterberg

Ein Mann erhält beim Badejubiläum einen Wasserguss mit dem Schlauch

Badekur mit Kaltwasserguss

Ende Juli 1839 führte Dr. med. Ernst Heinrich Benjamin Ritscher im damaligen Flecken Lauterberg, idyllisch am Rande des Südharzes gelegen, die Kaltwasserkur ein. Dies nimmt das heutige Städtchen Bad Lauterberg alle 25 Jahre zum Anlass, das so genannte Badejubiläum zu begehen. Vor fünf Jahren fand die Jubelfeier zum 175. Jahrestag statt. Warum nicht stilvoll mit einem Gläschen aus der Bergquelle zum 180-jährigen Jubiläum anstoßen? Mehr…

Überwachungstechnik im Auto

Ein Auge am Wegrand

Generalbeobachtung für Autofahrer*innen?

„Telematik-Tarif“ nennen Versicherer das Angebot, Autofahrer*innen, die ihren Fahrstil überwachen lassen, einen Rabatt einzuräumen. Das klingt nett, wie etwa der „Mondscheintarif“, den es früher beim Telefonieren gab. Und als wäre es eine Nettigkeit, reagieren auch manche Medien. „Versicherungen belohnen umsichtige Autofahrer“ titelten etwa die Lübecker Nachrichten am 17. Mai. Dabei geht es um nichts weniger als Überwachungstechnik im Auto.

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Ein Badeteich inmitten der Stadt

Kultur am BadeteichAls ich es das erste Mal sah, war ich sicher, etwas falsch verstanden zu haben. Da hatte ich auf einem Schild an einer Mauer dieser Straße inmitten der Lübecker Innenstadt tatsächlich ‚Altstadtbad’ gelesen. Was war das: optische Täuschung? Selektive Wahrnehmung? Tagtraum? Ein Badeteich inmitten der Altstadt – das kann nicht sein. Dachte ich.

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Hilfe für Flaschenblumen in Kübel & Kasten

Der Klügere kippt nach, wenn man Pumpenfürst Thomas B. aus Hamburg glauben kann. Diese Feststellung sollte man zur Sommerzeit nicht nur auf die eigenen Sektgläser und Bierhumpen beziehen. Auch unsere blatttreibenden Mitbürger*innen verspüren bei hohen Temperaturen Durst! Es gibt, so sagt man, nicht nur Flaschenkinder, sondern auch Flaschenblumen.

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Lost in space tabs: Hikikomori

Verlassener Briefkasten

Der Mensch beherrscht die Technik. Jedenfalls solange, bis sie ihn beherrscht. Ausgehend von der japanischen Hochleistungsgesellschaft, breitet sich in der schönen neuen Welt das Phänomen der Hikikomori aus: Menschen leben monate- oder jahrelang abgeschieden, verlassen ihr Zimmer so gut wie nie und kommunizieren mit der Außenwelt nur über Internet-Portale. Sie sind lost in space tabs, könnte man sagen. Mehr…

Poetry im Schatten des Wahnsinns

Ein Monster mit orangen Augen

Skulptur von Jörg Spätig

Poetry-Slam-Contests leben davon, dass „das Publikum ausrastet“, wie selbst der tiefenentspannte Tilo Strauss von Slam-A-Rama bei seiner Anmoderation fordert. Für Länderausscheidungs-Wettbewerbe gilt das ganz besonders. „Klatscht, stampft, kreischt, zündet die Bilder an, wenn euch ein Beitrag so richtig berührt!“, schickt Tilo sich an, die Menge aufzupeitschen. Er ist nicht der einzige, der sich am Übertreten von Markierungslinien versucht. Tom Toxic findet aufwühlende Worte, um eine Depression zu beschreiben.  Hannes Maasz erzählt vom ganz normalen Alltags-Irrsinn eines abgelegenen Dorfes, und Carina Hansen erklärt, „Selbstwert ist etwas Hauchzartes“. Slam Poetry im Schatten des Wahnsinns – die Kunsttankstelle ist der passenden Rahmen für dieses Halbfinale!

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