Karla Letterman
Krimiautorin und Kolumnistin aus Lübeck. Stammt aus dem Harz und hat in Göttingen und Hamburg gelebt.

Der Boater zum Badedress

Zwei Herren im historischen Badekostüm mit BoaterHabe ich erst gestern Vormittag über die Vielfalt an Strohhüten philosophiert, begegnete mir gleich am Abend ein bislang unerwähntes Exemplar. Während der Lübecker Museumsnacht zeigten Models nämlich historische Badekostüme, sehr neckisch gestreift übrigens.

Die Damen wiegten sich kokett im gerüschten Anzug, den Herren verging auch im aufgehübschten Kartoffelsack das Lächeln nicht. Mehr…

Strohhüte – nicht nur für südfranzösische Weinbauern!

Bild von Gerhard Gellinger auf Pixabay (Strohhut)

Strand-Strohhut, Foto: Gerhard Gellinger, Pixabay

Die meisten denken bei Strohhüten wahrscheinlich an Strandspaziergänge und Sommerurlaub. Passt ja! Die Hüte schützen das Gesicht vor der Sonne und sind gleichzeitig so leicht, dass man nicht zusätzlich schwitzt.

Wenn ich “Strohhut” höre, denke ich unweigerlich an südfranzösische Weinbauern. Ich sehe sie mit prüfendem Blick durch die Reihen der Rebstöcke  laufen, die Augen von der Krempe beschattet. Mehr…

Die Faszination alter Technik

Bahnhof Gittelde im Südharz

Bahnhof und Stellwerk Gittelde

Immer wenn ich mit der Bahn durch Gittelde fahre, wünsche ich mir, einen Blick in das Bahnstellwerk auf die alte Technik werfen zu können.

Noch erfolgt nämlich die Stellung von Fahrwegelementen, Weichen, Gleissperren und Signalen mechanisch. Noch ist das Stellwerk in dem kleinen Ort am Harzrand bemannt. Noch kurbelt der Fahrdienstleiter die Schranken an den Bahnübergängen händisch nach unten und zurück nach oben. Mehr…

Düstere Blüten

Düstere BlütenblätterWendet man den Blick nach rechts, tummeln sich dort neuerdings wieder erschreckend viele Gestalten. Ließen sich vor 30 Jahren vielleicht ein paar Jungs mit kurzgeschorenen Haaren und leicht deutbaren Klamotten-Labels blicken und versperrten fast die Sicht auf vorsichtig an die Wand gedrückte Vertriebenenfunktionäre und klammheimliche Sympathisanten vom Rand des Bürgertums, treibt das, was in unserer Gesellschaft lange als das Ewiggestrige galt, heute mannigfaltig düstere Blüten. Mehr…

Die prachtvollen Stockrosen

Die prachtvolle Stockrose vor einem HausJeden Sommer sehen sie unterschiedlich aus: die prachtvollen Stockrosen-Rabatten vor den Gartenzäunen. Die Pflanzen, zweijährig, säen sich selbst aus, wenn man sie nicht herunterschneidet. Deshalb bleibt die Farbmischung ein wenig dem Zufall überlassen.

Ich erinnere mich noch genau, wann sie mir zum ersten Mal aufgefallen sind: das war 1993 in Gdansk. Ich konnte mich nicht sattsehen an dem bunten Schmuck, der jedes noch so graue Haus in eine fröhliche Sommerresidenz verwandelte.

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Ergriffenheit in Zeiten der Avatare

Clown Carillon bei der LiebeserklärungNie war es so einfach wie heute, sich Vergnügen im Sinne von Ablenkung zu verschaffen. Streaming-Dienste, Playstations und Computerspiele sind für viele Menschen zugänglich und werden von vielen genutzt. Doch was bewegt User über das reine Beschäftigtsein hinaus? Wie sieht es mit ihren Gefühlen aus? Anders gefragt: Schafft man durch Shows und Videos Ergriffenheit in Zeiten der Avatare?

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Eine Kunsttankstelle beim Holstentor

Der Hof der KunsttankstelleEine Tankstelle der besonderen Art findet man ganz in der Nähe des Lübecker Holstentors. Der Verein Defacto Art betreibt dort die Kunsttankstelle.

Wo früher Autos versorgt wurden, stellen Künstler*innen jetzt Skulpturen und Bilder aus. In den ehemaligen Garagen sind kleine Ateliers und Lagerräume untergebracht, und eine helle Halle bietet Platz für Vernissagen, Lesungen und Feiern.

“Wenn die Reisebusse in der Wallstraße parken, zücken die Touristen als erstes ihre Handys und machen ein Foto von unserem Schutzengel”, erzählt Peter Fischer, der Vorsitzende von Defacto Art.

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180. Badejubiläum in Bad Lauterberg

Ein Mann erhält beim Badejubiläum einen Wasserguss mit dem Schlauch

Badekur mit Kaltwasserguss

Ende Juli 1839 führte Dr. med. Ernst Heinrich Benjamin Ritscher im damaligen Flecken Lauterberg, idyllisch am Rande des Südharzes gelegen, die Kaltwasserkur ein. Dies nimmt das heutige Städtchen Bad Lauterberg alle 25 Jahre zum Anlass, das so genannte Badejubiläum zu begehen. Vor fünf Jahren fand die Jubelfeier zum 175. Jahrestag statt. Warum nicht stilvoll mit einem Gläschen aus der Bergquelle zum 180-jährigen Jubiläum anstoßen? Mehr…

Überwachungstechnik im Auto

Ein Auge am Wegrand

Generalbeobachtung für Autofahrer*innen?

„Telematik-Tarif“ nennen Versicherer das Angebot, Autofahrer*innen, die ihren Fahrstil überwachen lassen, einen Rabatt einzuräumen. Das klingt nett, wie etwa der „Mondscheintarif“, den es früher beim Telefonieren gab. Und als wäre es eine Nettigkeit, reagieren auch manche Medien. „Versicherungen belohnen umsichtige Autofahrer“ titelten etwa die Lübecker Nachrichten am 17. Mai. Dabei geht es um nichts weniger als Überwachungstechnik im Auto.

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Ein Badeteich inmitten der Stadt

Kultur am BadeteichAls ich es das erste Mal sah, war ich sicher, etwas falsch verstanden zu haben. Da hatte ich auf einem Schild an einer Mauer dieser Straße inmitten der Lübecker Innenstadt tatsächlich ‚Altstadtbad’ gelesen. Was war das: optische Täuschung? Selektive Wahrnehmung? Tagtraum? Ein Badeteich inmitten der Altstadt – das kann nicht sein. Dachte ich.

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Hilfe für Flaschenblumen in Kübel & Kasten

Der Klügere kippt nach, wenn man Pumpenfürst Thomas B. aus Hamburg glauben kann. Diese Feststellung sollte man zur Sommerzeit nicht nur auf die eigenen Sektgläser und Bierhumpen beziehen. Auch unsere blatttreibenden Mitbürger*innen verspüren bei hohen Temperaturen Durst! Es gibt, so sagt man, nicht nur Flaschenkinder, sondern auch Flaschenblumen.

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Wertschätzung für die Unbewerteten

Anastasia Rutkowska

Anastasia Rutkowska

Im Mittelpunkt einer Poetry-Slam-Konkurrenz stehen diejenigen, die gegeneinander antreten, logisch. Doch gute Sitte ist es, dass es vor dem Wettbewerb ein „Feature“ gibt, eine Slam-Poetin oder ein Poet trägt einen Text außerhalb der Wertung vor, gewissermaßen zum Warmhören für das Publikum. Handelt es sich gar um eine Gala, treten noch Musiker*innen auf. Auch sie gehören zu den Unbewerteten. Mehr…

Lost in space tabs: Hikikomori

Verlassener Briefkasten

Der Mensch beherrscht die Technik. Jedenfalls solange, bis sie ihn beherrscht. Ausgehend von der japanischen Hochleistungsgesellschaft, breitet sich in der schönen neuen Welt das Phänomen der Hikikomori aus: Menschen leben monate- oder jahrelang abgeschieden, verlassen ihr Zimmer so gut wie nie und kommunizieren mit der Außenwelt nur über Internet-Portale. Sie sind lost in space tabs, könnte man sagen. Mehr…

Poetry im Schatten des Wahnsinns

Ein Monster mit orangen Augen

Skulptur von Jörg Spätig

Poetry-Slam-Contests leben davon, dass „das Publikum ausrastet“, wie selbst der tiefenentspannte Tilo Strauss von Slam-A-Rama bei seiner Anmoderation fordert. Für Länderausscheidungs-Wettbewerbe gilt das ganz besonders. „Klatscht, stampft, kreischt, zündet die Bilder an, wenn euch ein Beitrag so richtig berührt!“, schickt Tilo sich an, die Menge aufzupeitschen. Er ist nicht der einzige, der sich am Übertreten von Markierungslinien versucht. Tom Toxic findet aufwühlende Worte, um eine Depression zu beschreiben.  Hannes Maasz erzählt vom ganz normalen Alltags-Irrsinn eines abgelegenen Dorfes, und Carina Hansen erklärt, „Selbstwert ist etwas Hauchzartes“. Slam Poetry im Schatten des Wahnsinns – die Kunsttankstelle ist der passenden Rahmen für dieses Halbfinale!

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Die denkwürdige Fahrt des ME 82126 am 2.6.2019

Ein Zug hält im Bahnhof Bienenbüttel

Bienenbüttel: schönster Ort der Welt!

Von Bienenbüttel wusste ich bisher nichts, außer dass Einheimische manchmal das Synonym Immensack verwenden. Huiuiui, haha. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass Bienenbüttel für mich und 500 andere einmal der schönste Ort der Welt sein könnte. Bis gestern. Bis zur denkwürdigen Reise im Metronom ME 82126 am 2.6.2019, heißem Sonntag nach einem Brückentag.

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Faszinierende Fascinators, Frau Lux!

Katja Lux mit blauem FascinatorIn der Fleischhauerstraße in Lübecks Altstadt kann man eine Frau treffen, die weiß, wie man fasziniert! Wenn ich durch die Straße radle, stoppe ich gern vor ihrem Atelier im Laden “Blume und Hut” und werfe einen Blick hinein, gespannt, was sie sich Neues ausgedacht hat. Katja Lux fertigt Fascinators.

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Ein genial-aberwitziger Abend

Musiker beim Nachtkonzert in Lübeck“Ich habe im Fünfsternehotel übernachtet.” – “Na und? Ich habe mich auf der Bühne der Musikhochschule in eine Decke gekuschelt und drei Professoren für mich spielen lassen.”

Was wie größenwahnsinnige Aufschneiderei klingt, war bis kurz vor dem Morgengrauen in Lübeck Realität. Denn beim Nachtkonzert Durch die Dunkelheit zum Licht wurde das Publikum ausdrücklich eingeladen, es sich auf vorbereiteten Lagern bequem zu machen. Ein genial-aberwitziger Abend.

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Fifty Shades of White

weißes Fahrrad vor weißer WandSchneeweiß, perlweiß, altweiß, schmutzigweiß, zahnweiß, kalkweiß, barytweiß, wolkenweiß, cremeweiß, alabasterweiß… undsoweiter, undsoweißer.

Auch wenn Weiß keine Farbe ist, so gibt es davon so viele Schattierungen, dass man mit etwas Fantasie sicher auf fifty shades of white kommt.

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Fifty shades of brown

Brauner-Schatten, Hundescheiße 1 Menschen, die sich Reichsbürger nennen, erkennen weder die Verfassung noch die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland an – geschweige denn ihren völkerrechtlichen Status. Es klingt erst einmal drollig, wenn Gruppierungen eigene „Reichsführerscheine“ ausstellen und von Deutschland im Kriegszustand schwafeln. Mehr…

Ostern die Weite suchen!

Die Staus auf der Fahrt zu Schwiegermuttis Osterbrunch verderben vielen die Freude. Andere, die sich heute Nachmittag noch nach Geschenken für Kind, Mann und Hund abhetzen werden, haben jetzt schon schlechte Laune.

Kein Wunder, dass viele das Weite suchen. Doch will man sich in den Feiertagstourismus einreihen? Wieso nicht stattdessen mal zu Ostern die Weite suchen? Mehr…

Frisch erschienen: “Jenseits der Spur”!

Roman "Jenseits der Spur" von Karla LettermanIn seinem neuen Fall hat Oberkommissar Alois Aisner zu viele Fährten. Mitten am Tag ist eine Autobombe explodiert, eine Frau wurde in den Tod gerissen.

Doch bei der Kripo kann man sich keinen Reim auf den Anschlag machen und beginnt in verschiedenste Richtungen zu ermitteln. Waren es aufgeflogene Schmuggler? Kompromisslose Historiker? Gewaltbereite Autonome? Frustrierte Studenten?

Aisner hält hartnäckig an einer besonderen Verdächtigen fest, einer durchgedrehten Informatikerin mit auffälligen Tics. Ist sie nur zu intelligent, um sich fassen zu lassen, oder doch unschuldig?
Da hat Eagle-Eye, der Sohn seiner Lebensgefährtin Larissa, eine denkwürdige Begegnung mit der Frau. Reicht das, um Aisners Kollegen zu überzeugen?

Der spannende neue Roman – erschienen bei EPV, ISBN 978-3-947167-53-1, 9,95 € – ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

Am 26. April stellt die Autorin “Jenseits der Spur” bei einer Lesung in Bovenden vor. Vormerken: 26.4., 15.30 Uhr, Gemeindebibliothek Bovenden, Rathausplatz 3!

… die, die die Diebe…

Henne, Scheune, Tür: perfekt für die heutige Versuchsanordnung

Als Gimmick zum heutigen Weltfrauentag hatte ich mal ganz unverbindlich überlegt, wie es wäre, nur weibliche Substantive zu benutzen.

Noch kommen die, die die Diebe… nicht ins Spiel. Noch geht es um die Möwe, die Überraschung, die Rose, die rosa Wolke und die Brille gleicher Farbe. Und zwar ab jetzt – ausschließlich! Mehr…

Verlassen auf weiter Flur

Verlassene Wohnwagen auf einer BaustelleVerlassene Gebäude und Wohnwagen üben große Faszination aus. Manche nennen es “morbiden Charme” und stellen zum Fotografieren ein hübsches Aktmodell davor, um den Kontrast zu betonen. (Höhö!)
Beim Sonntagsspaziergang knipst man derlei Motive gern, eine willkommene Abwechslung zu Mama im Pelzmantel vor Villa, vor Fernblick und neben Rosenbusch.

Man fragt sich unter angenehm grusligem Schauder: Wohnt da noch jemand?

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Pegida: einfach alles Nazis?

Die Dresdner Frauenkirche

Dunkle Wolken über Dresden

Der Name Pegida wird sofort mit politisch rechts assoziiert (man muss nur mal googeln). Kein Wunder, betrachtet man den Vorsitzenden, der nicht erst einmal im Verdacht der Volksverhetzung stand. Außerdem steht der Name als Abkürzung von Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes, ein nicht eben linker Zungenschlag. Jedoch… Mehr…

Knutschkugel

Wenn heute der Valentin seine Valentina ausführt, der Julian seine Juliane, die Martina ihren Martin, Andrea mit Andreas essen geht, Karla und K… äh: Thomas zusammen losdüsen – dann kommt hoffentlich ein zum Anlass passendes Gefährt zum Einsatz.  Mehr…

Mr. Poetry-Slam und Dr. Zahl

Tilo Strauss und Daniel Groß

Tilo (Mr. Poetry Slam) und Daniel (Dr. Zahl)

Da schallte und krawallte, dichtete und richtete es wieder ganz gewaltig am Samstag. Mit anderen Worten: es war Zeit für Poetry Slam. In den Lübecker Kammerspielen trafen sich gewitzte Wortakrobat*innen zum Wettbewerb um den ganz-ganz-echt-goldenen Pokal.

Doch ich wollte diesmal wissen: Wer organisiert das alles?

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