Als ich vor ein paar Tagen am Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg spazieren ging, bekam ich wie aus heiterem Himmel ein schlechtes Gewissen. Mehr…
Autor: Karla Letterman
Twitter-Gewitter zum Notruftag
Zum heutigen Tag des Notrufs beteiligen sich viele Feuerwehren am Twitter-Gewitter. Den Grund hörte ich im Radio-Interview: Sie wollen über den Sinn der Notrufnummer 112 aufklären. Wie bitte: Der Sinn ist unbekannt? Er muss erst digital vermittelt werden?
Tatsächlich, so berichtete ein Sprecher der Feuerwehr Schwerin, werde die Nummer oft missbraucht. Mehr…
Jenseits der Spur… in Ellrich?!
Nein, nein, in Ellrich ist alles in der richtigen Spur. Ich will jetzt nicht über Thüringens Politik reden, das tun Berufenere als ich weit besser. Worüber ich reden möchte, ist ein Kriminalfall. Der allerdings hat etwas mit einer Straße zu tun, die ins Thüringische führt.
Auf dieser Straße unterwegs ist eine geheimnisvolle Frau – zusammen mit Alois Aisner, dem ermittelnden Kriminaloberkommissar im Fall eines Autobombenanschlags. Was er ermittelt? Und warum er sich hat zu dieser denkwürdigen Spritztour überreden lassen…?
Das verrate ich bei meiner Lesung am 6. März. Natürlich in Ellrich.
Alles für die Challenge!
Als Thomas am vorigen Mittwoch nach Hause kam, biss ich gerade herzhaft ins blassrote Gymnastikband. Ich konnte es noch schnell beiseite legen, bevor er das sah, und eine Unschuldsmiene aufsetzen. „Na, Schatz, heute schon so früh zurück?“ Er schüttelte ungläubig den Kopf. „Machst du etwa schon wieder was für diese Challenge?!“
Woher wusste er das bloß?
Fertig!
Fertig! Zwar kann ich noch nicht sagen, ich hätte den Roman beendet, doch der erste Entwurf ist fertig. Ich bin stolz! Denn der neue Krimi aus der Alois-Aisner-Reihe, der sich mit der Rückkehr der Wölfe befasst, hat mich lange beschäftigt: insgesamt mehr als zwei Jahre. Die ersten Recherchen haben im November 2017 begonnen. Damals habe ich mich zunächst über das Schafehüten schlau gemacht. Außerdem habe ich die passende Örtlichkeit für einen bestimmten Schauplatz herausgesucht – mehr wird an dieser Stelle nicht verraten.
Feierliches Hohwachter Strandleuchten
Neujahr, Teil II. Nachdem die Veranstaltung im vorigen Jahr wegen des miesen Wetters ausfallen musste, wurde es heute zum Ausgleich besonders schön. In Hohwacht an der Ostsee ruft man seit einigen Jahren zum Strandleuchten. Hunderte von Besuchern laufen mit Fackeln an der Waterkant entlang und illuminieren den Abschnitt zwischen Alt-Hohwacht und der Aussichtsplattform „Flunder“.
Die Touristiker sprechen marketingträchtig von Romantik – und haben Recht. Nicht nur, weil an der Flunder nach der offiziellen Begrüßung ein Wiener Walzer gespielt wird. Sondern schon vorher, während man mit vielen Menschen gemeinsam zum Treffpunkt ausschwärmt, ist die Stimmung feierlich.
Die Blaue Stunde zieht auf, eine Fackel nach der anderen wird entzündet. Je nach Gusto stapft, promeniert oder schlendert man durch den Sand oder am oberen Weg über der Steilküste entlang. An der Flunder erwarten einen dann außer Trink- und Essensständen Feuerkörbe und Musik.
Eine schöne Veranstaltung – so verspricht das gerade begonnene Jahr, ein gutes zu werden.
Fotos: Karla Letterman
Der Wunsch des Graureihers
Eine Fabel zum Jahresbeginn
Am späten Nachmittags des ersten Januartages saßen Pfau und Graureiher nebeneinander an einem kahlen Abhang.
Der Reiher seufzte. »Ich wünschte, ich wäre ein so prachtvoller Vogel wie du! Dann hätte ich eine Chance gehabt.«
»Eine Chance? Worauf denn?«, erkundigte sich der Pfau und bewegte anmutig sein Haupt, sodass sein Kopfschmuck im verbleibenden Licht glitzerte.
Das Blaue vom Himmel
Heute bin ich blau!
Heute mache ich blau!
Heute könnt Ihr mit mir das blaue Wunder erleben!
Aber nicht, dass am Ende noch jemand den Blues bekommt…
Der Neujahrstag ist ein geradezu ideales Datum, um sich mit Redewendungen rund um die Farbe Blau zu beschäftigen.
Das Meer
Wer ein schwieriges Jahr hinter sich hat oder zumindest ein Jahr, in dem es Anlässe zum Verzweifeln gab, möge bedenken:
Ein ruhiges Meer macht keine guten Seeleute.
Mal wird diese Erkenntnis als afrikanisches Sprichwort zitiert, mal als bretonische Weisheit. Fest steht: Auch an Nord- und Ostsee ist sie gültig.
Und wer sich durch Widrigkeiten navigiert hat, hat als guter Seemann die Hoffnung, dem nächsten Sturm gewachsen zu sein. In diesem Sinne: Sammeln Sie Ihre Kräfte für den nächsten Aufbruch, wappnen Sie sich für Überraschungen aller Art auf hoher See!
Fotos: Karla Letterman
Hirschpirscher in der Stadt
Im November 1887 betrat Sherlock Holmes als schrulliger, hochintelligenter Detektiv die Weltbühne. 132 Jahre später ist die Kunstfigur noch immer populär – und mit ihr eine ganz besondere Kopfbedeckung, die Deerstalker Cap. Zu deutsch: die Hirschpirscher-Kappe. Eigentlich ist dieser Hut bei Sherlocks Arbeit vollkommen unangebracht. Mehr…
Alarm, Charisma, Vorsicht Parkplatz!
Freitag, der 13., olé! Immer zu diesem Datum fällt mir Reinhard Meys schwungvolles Lied „Ankomme Freitag, den 13.“ ein. Eine gewisse Christine kündigt per Telegramm ihr Eintreffen an dem bewussten Datum um 14 Uhr an. Und schon rollt die Lawine der Missgeschicke.
Keine Zukunft ohne Bauern!
Da staunte die Redaktion der Lübecker Nachrichten (LN) nicht schlecht: Am Nachmittag des 27. November fuhren verärgerte Leser*innen vor dem Verlagsgebäude vor – im Traktor. „Keine Zukunft ohne Bauern!“ hatten sie auf ein Plakat geschrieben. Und dann erklärten sie dem Chefredakteur den Anlass ihres Unmutes, nämlich eine Karikatur in der Mittwochsausgabe. Sie zeigt zwei Menschen im Gespräch vor einem Bienenstock am Rande eines Feldes, auf dem ein Trecker unterwegs ist. Die beiden staunen über neue Sorten wie „Glyphosathonig“ und „Nitrathonig“.
Erst Wortrandale lostreten, dann feiern!
Samstagnachmittag, Schlag 15 Uhr, Minna-Cauer-Saal des Rathauses Charlottenburg, Berlin: 26 Autor*innen treffen ein, aufgeregt und gespannt, was sie erwartet. Sie wissen nur eines: es gibt Wortrandale. Der gleichnamige Literaturpreis wurde 2019 zum ersten Mal ausgeschrieben, und sie haben sich beteiligt. Mehr…
Schreiben ist Goldt
Wer den Schriftsteller Max Goldt live erlebt, stellt sehr schnell fest: Für das Bad in der Menge ist der Mann nicht gemacht. Er wirkt, als wolle er sich nicht feiern lassen. Er mag außerdem keine Interviews, das hat er schon oft betont. Man könnte sagen: Reden ist Silber, Schreiben ist Goldt. Mehr…
Schlafplatz neben der Autobahn
Neues aus meiner Reihe „verkannte Tiere“: In unserem Viertel gibt es einen Krähenbaum, der über magische Anziehungskräfte verfügen muss. Zum ersten Mal beobachtete ich das Schauspiel vor etwa einem Jahr, doch ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Ich fuhr im Dämmerlicht über die Lübecker Lohmühle, eine unwirtliche vierspurige Straße bei der Autobahn. Da wurde es auf einen Schlag dunkel.
Zäpfchen im Rautengewand
Ob die Kunstfigur Olaf Schubert im wahren Leben nun Michael Haubold oder Jens Friebel heißt – ich bezeichne den Mann als Zäpfchen im Rautengewand. Das allerdings hat er sich selbst zu verdanken. Was es genau bedeutet? Mehr…
Die kleine Schwester des Hutes
Sie schützt vor Regen und Wind, wärmt die Ohren und kann das Aussehen ganz beträchtlich verändern. Die kleine Schwester des Hutes, die Kappe, hat eine eigene Würdigung verdient!
Fliegermützen verleihen nicht nur Pionierinnen wie der Pilotin Elly Beinhorn ein verwegenes und entschlossenes Aussehen. Sie umgeben ihre Trägerin, ihren Träger mit dem Hauch von Aufbruch, selbst wenn sie nur auf dem Weg zum Supermarkt getragen werden. Mehr…
Das Geheimnis von Grüngel-Brot

Zutaten für Grüngel-Brot
Als ich mit meiner Freundin Elke über gesunde Ernährung plauderte, überraschte sie mich mit folgender Mitteilung:
„Ich mache mir mittags jetzt oft Grüngel-Brot. Das ist schnell zubereitet und wird jedes Mal anders. Echt lecker!“
„Und was ist ‚Grüngel‘?“, fragte ich verblüfft, denn davon hatte ich nie gehört. Mehr…
Transparenz bei der Online-Bewertung
Transparenz ist was Tolles. Was geschieht, ist klar ersichtlich, Mauscheleien wird der Riegel vorgeschoben. So haben wir den Begriff Transparenz kennen und schätzen gelernt.
Bewertungen, die man in digitaler Form vornimmt – meist, indem man Sternchen verteilt – sollen für Transparenz sorgen. Kunden bewerten den Anbieter, damit andere Kunden sich im Vorfeld informieren und vergleichen können.
Ich habe Transparenz im Internet in einer für mich neuen Form erlebt. Mehr…
Tuckernd in die Zukunft
Heute Nachmittag wurde in Lauenburg der Fahrgastbetrieb des autonom fahrenden Kleinbusses „TaBuLa“ aufgenommen. Die Abkürzung steht für „Testzentrum für automatisiert verkehrende Busse im Kreis Herzogtum Lauenburg“. Dass es sich um Testbetrieb handelt, merkt man schnell: Der putzig daherkommende Kleinbus fährt noch etwas stotternd, tuckernd in die Zukunft.
Rhetorik zum Tag der Einheit
Es ist ein alter rhetorischer Trick. Man antwortet auf eine Frage, die gar nicht gestellt wurde, und lässt die tatsächlich formulierte Frage links liegen.
Die Formulierung ‚links liegen lassen’ ist in diesem Fall unfreiwillig passend, denn es geht um den Landesvorstand der Nord-AfD. Der hat im Zusammenhang mit dem Parteiausschluss seiner Ex-Vorsitzenden bekannter Maßen eine so deutlich rechte Haltung eingenommen, dass selbst der AfD-Bundesvorstand dagegen fortschrittlich wirkt. Mehr…
Karla Letterman der Randale überführt!
Es lässt sich nun nicht mehr leugnen. Seit Montag, 30.9., ist es offiziell: Karla Letterman macht Randale. Zum Glück, ohne materiellen Schaden anzurichten. Allerdings lässt sie Licht schmelzen… Mehr…
Lichtfest nach Himmelsart
Manchmal besteht der einzige Energieaufwand, den man aufwenden muss, darin, sich selbst in Gang zu bringen. Auf dem Grat zwischen Spätsommer und Herbst lädt Petrus zum Lichtfest nach Himmelsart. Man muss einfach nur: hingehen!
Spinnerei von der Zucker-Spinne
Es war einmal eine Spinne, die lebte im Konferenzraum einer großen Firma. Dort fanden oft Treffen und Vorträge statt, und die Spinne hockte in der dunklen Ecke unterm Fensterbrett und lauschte. Sobald sich eine Konferenz ohne Frauen abspielte, redeten die Männer ein bisschen über Berufliches und viel über das weibliche Geschlecht.
Wenn die Männer eine Frau anhimmelten, sprachen sie von der Zuckerschnitte. Wenn sie eine Frau süß fanden, war sie das Zuckermäulchen. Auch von Zuckerstück und Zuckerschnute redeten sie.
Schreiben: zustande bringen oder um Sätze ringen?
„Jetzt schreibt er auch noch“, steht über den Politiker Wolfgang Kubicki in der Zeitung, dessen Name neuerdings ein Buch ziert. Ja, ist das so? Und wenn ja, warum? „Ist ja irgendwie in Mode gekommen, ein Buch zu schreiben“, wird Kubicki zitiert. Soweit also ist es mit dem Schreiben gekommen…
Man macht das irgendwie, weil alle Welt es tut.
Ich bastle mir ein Paradies
Wer einen schönen Garten gehabt hat und plötzlich darauf verzichten muss, braucht womöglich Zeit, um sich an den verringerten Auslauf zu gewöhnen. Doch wie für viele Alltagslagen gibt es auch hierfür einen Karla-Letterman-Tipp: Man bastele sich ein Paradies!
Und das geht so. Man nehme einen Balkon… Mehr…
Der Boater zum Badedress
Habe ich erst gestern Vormittag über die Vielfalt an Strohhüten philosophiert, begegnete mir gleich am Abend ein bislang unerwähntes Exemplar. Während der Lübecker Museumsnacht zeigten Models nämlich historische Badekostüme, sehr neckisch gestreift übrigens.
Die Damen wiegten sich kokett im gerüschten Anzug, den Herren verging auch im aufgehübschten Kartoffelsack das Lächeln nicht. Mehr…
Strohhüte – nicht nur für südfranzösische Weinbauern!

Strand-Strohhut, Foto: Gerhard Gellinger, Pixabay
Die meisten denken bei Strohhüten wahrscheinlich an Strandspaziergänge und Sommerurlaub. Passt ja! Die Hüte schützen das Gesicht vor der Sonne und sind gleichzeitig so leicht, dass man nicht zusätzlich schwitzt.
Wenn ich „Strohhut“ höre, denke ich unweigerlich an südfranzösische Weinbauern. Ich sehe sie mit prüfendem Blick durch die Reihen der Rebstöcke laufen, die Augen von der Krempe beschattet. Mehr…
Die Faszination alter Technik

Bahnhof und Stellwerk Gittelde
Immer wenn ich mit der Bahn durch Gittelde fahre, wünsche ich mir, einen Blick in das Bahnstellwerk auf die alte Technik werfen zu können.
Noch erfolgt nämlich die Stellung von Fahrwegelementen, Weichen, Gleissperren und Signalen mechanisch. Noch ist das Stellwerk in dem kleinen Ort am Harzrand bemannt. Noch kurbelt der Fahrdienstleiter die Schranken an den Bahnübergängen händisch nach unten und zurück nach oben. Mehr…
Der lange Weg zur Lesung
Freitag, ein Tag Urlaub vom Brotjob; der Plan: Fahrt nach Duderstadt zur Lesung. Vorher: Treffen mit Claudia Nachtwey, Blick hinter die Kulissen ihres tollen neuen Eichsfeld-Blogs, ein Käffchen zur Stärkung, dann gemütlich zum Alten Rathaus. Die Fahrt mit der Bahn war lange vorher gebucht – nur zweimal umsteigen, alles kein Problem. Mehr…
Düstere Blüten
Wendet man den Blick nach rechts, tummeln sich dort neuerdings wieder erschreckend viele Gestalten. Ließen sich vor 30 Jahren vielleicht ein paar Jungs mit kurzgeschorenen Haaren und leicht deutbaren Klamotten-Labels blicken und versperrten fast die Sicht auf vorsichtig an die Wand gedrückte Vertriebenenfunktionäre und klammheimliche Sympathisanten vom Rand des Bürgertums, treibt das, was in unserer Gesellschaft lange als das Ewiggestrige galt, heute mannigfaltig düstere Blüten. Mehr…
Die prachtvollen Stockrosen
Jeden Sommer sehen sie unterschiedlich aus: die prachtvollen Stockrosen-Rabatten vor den Gartenzäunen. Die Pflanzen, zweijährig, säen sich selbst aus, wenn man sie nicht herunterschneidet. Deshalb bleibt die Farbmischung ein wenig dem Zufall überlassen.
Ich erinnere mich noch genau, wann sie mir zum ersten Mal aufgefallen sind: das war 1993 in Gdansk. Ich konnte mich nicht sattsehen an dem bunten Schmuck, der jedes noch so graue Haus in eine fröhliche Sommerresidenz verwandelte.
Ergriffenheit in Zeiten der Avatare
Nie war es so einfach wie heute, sich Vergnügen im Sinne von Ablenkung zu verschaffen. Streaming-Dienste, Playstations und Computerspiele sind für viele Menschen zugänglich und werden von vielen genutzt. Doch was bewegt User über das reine Beschäftigtsein hinaus? Wie sieht es mit ihren Gefühlen aus? Anders gefragt: Schafft man durch Shows und Videos Ergriffenheit in Zeiten der Avatare?
Der bunte Angeberhimmel bei Gewitter

Wenn sich ein Gewitter zusammenbraut, zeigt Petrus, was er kann.
Doch selten sah ich ihn derart tief in die Farbkiste greifen. Es war äußerst sehenswert, wie heute, am 31. Juli 2019, ein abendliches Gewitter über Lübeck aufzog und sich die Wolken dann abregneten.
Eine Kunsttankstelle beim Holstentor
Eine Tankstelle der besonderen Art findet man ganz in der Nähe des Lübecker Holstentors. Der Verein Defacto Art betreibt dort die Kunsttankstelle.
Wo früher Autos versorgt wurden, stellen Künstler*innen jetzt Skulpturen und Bilder aus. In den ehemaligen Garagen sind kleine Ateliers und Lagerräume untergebracht, und eine helle Halle bietet Platz für Vernissagen, Lesungen und Feiern.
„Wenn die Reisebusse in der Wallstraße parken, zücken die Touristen als erstes ihre Handys und machen ein Foto von unserem Schutzengel“, erzählt Peter Fischer, der Vorsitzende von Defacto Art.


