Karla Letterman
Krimiautorin und Kolumnistin aus Lübeck. Stammt aus dem Harz und hat in Göttingen und Hamburg gelebt.

Der Hausrat in Zeiten von Corona

Bilderrrahmen auf dem BettMan muss gar nicht unter Quarantäne stehen, um anarchische Zustände zu erleben. Denn der Hausrat in Zeiten von Corona ist auch nicht, was er sein sollte. Die Brille im Abfluss? Die Pantoffeln in den Schlafanzugtaschen? So besingt Reinhard Mey die Unordnung in seinem Stück “Ankomme Freitag, den 13.”. Eine Ausnahmesituation. Doch was tun, wenn auf absehbare Zeit jeden Tag Freitag, der 13., ist? Mehr…

Schaufenster in der Krisenzeit

Wer die Tage durch Lübecks Innenstadt geht, sieht nicht viele Menschen. Nur Vereinzelte warten an Bushaltstellen, Radfahrer halten Abstand voneinander. Keine Touristen weit und breit; wo sonst ein fröhliches Sprachgewirr zu hören ist, herrscht jetzt Stille. Infolge der Corona-Krise bleiben die meisten Läden geschlossen, und ein Lieferservice scheint sich für die wenigsten Restaurants zu lohnen oder organisierbar zu sein. In Schaufenstern hängen Infozettel, Stühle bleiben gestapelt.

Ich quängle also bin ich

Abstand halten auf dem WochenmarktIn Zeiten wie diesen, in denen es plötzlich Vorschriften für alle gibt, ist es einfach, sich zu profilieren. Wer das tun will, drängelt, brummt und nörgelt. “Ich quängle also bin ich”, scheint das Motto der Beschwerdeführer zu sein. Was ist das: ganz banale Dummheit, oder Auffallenwollen um jeden Preis? Mehr…

Schlüssel zum Himmel

Schlüsselblume im KübelMeine Großmutter nannte die hübschen gelben Frühjahrsblüher nicht “Schlüsselblume”, sondern “Himmelschlüsselchen”. Und so stellte ich mir als Kind immer vor, man könne damit bis ganz weit in den Himmel vordringen.

In Sagen und Mythen schließen geheimnisvolle Elfen und weiße Frauen mit den Blüten Schatzkammern auf. An einem Tag wie heute, mitten in der gespenstischen, lethargischen Stimmung der Corona-Krise, erschließt das kleine gelbe Blümchen den Zugang zum Herzen.

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Geisterspiele, Geisterschiffe, Geisterbier

Dass Sportveranstalter unter leeren Rängen leiden, ist unter dem anschaulichen Begriff Geisterspiele bekannt geworden. Vorhin habe ich auf der Kanaltrave in Lübeck ein Geisterschiff entdeckt. Naja, fast, um der Wahrheit die Ehre zu geben. Der Ausflugsdampfer, der sonntags normalerweise voll besetzt mit johlenden und winkenden Touristen seine Runden um die Aktstadtinsel dreht, hatte nur wenige Versprengte an Bord.

Fast leeres Ausflusboot

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Gebremstes Überschnappen

Gebremstes Ueberschnappen, SchrankeHeute ist ein Eigentlich-Tag. Sonne, geöffnete Eisdielen, Sitzplätze draußen – ein Tag, an dem man vor Freude und Übermut überschnappen könnte.

Wäre da nicht das Bewusstsein, dass diese Laune, diese Freude fragil ist. Denn wir wissen: ab morgen bleibt das Café, in dem wir gerade  selbstgebackene Mohntorte genießen, auf unbestimmte Zeit geschlossen. Mehr…

Die radelnde Philosophin

Zeitungsbericht über die radelnde PhilosophinDie Lübeckerin Luisa Rische radelt seit Mai 2017 um die Welt und berichtet in ihrem Blog darüber. Auch die Lübecker Nachrichten veröffentlichen von Zeit zu Zeit Risches Berichte. Daraus wird deutlich: die 30-Jährige ist nicht nur Abenteurerin, sie ist auch radelnde Philosophin. Aus den zwei Jahren, die sie ursprünglich für ihre Erkundungstour durch 35 Länder eingeplant hat, sind längst zweieinhalb geworden. “Seit 1000 Tagen ist die Welt mein Zuhause”, schreibt sie.

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Twitter-Gewitter zum Notruftag

Twitter-Gewitter aus HannoverZum heutigen Tag des Notrufs beteiligen sich viele Feuerwehren am Twitter-Gewitter. Den Grund hörte ich im Radio-Interview: Sie wollen über den Sinn der Notrufnummer 112 aufklären. Wie bitte: Der Sinn ist unbekannt? Er muss erst digital vermittelt werden?

Tatsächlich, so berichtete ein Sprecher der Feuerwehr Schwerin, werde die Nummer oft missbraucht. Mehr…

Jenseits der Spur… in Ellrich?!

Karla Letterman in EllrichNein, nein, in Ellrich ist alles in der richtigen Spur. Ich will jetzt nicht über Thüringens Politik reden, das tun Berufenere als ich weit besser. Worüber ich reden möchte, ist ein Kriminalfall. Der allerdings hat etwas mit einer Straße zu tun, die ins Thüringische führt.

Auf dieser Straße unterwegs ist eine geheimnisvolle Frau – zusammen mit Alois Aisner, dem ermittelnden Kriminaloberkommissar im Fall eines Autobombenanschlags. Was er ermittelt? Und warum er sich hat zu dieser denkwürdigen Spritztour überreden lassen…?

Das verrate ich bei meiner Lesung am 6. März. Natürlich in Ellrich.

Alles für die Challenge!

Karla Letterman vor dem Spiegel für die 30-Day-ChallengeAls Thomas am vorigen Mittwoch nach Hause kam, biss ich gerade herzhaft ins blassrote Gymnastikband. Ich konnte es noch schnell beiseite legen, bevor er das sah, und eine Unschuldsmiene aufsetzen. “Na, Schatz, heute schon so früh zurück?” Er schüttelte ungläubig den Kopf. “Machst du etwa schon wieder was für diese Challenge?!”

Woher wusste er das bloß?

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Fertig!

Karla Lettermans Schreibtisch mit LaptopFertig! Zwar kann ich noch nicht sagen, ich hätte den Roman beendet, doch der erste Entwurf ist fertig. Ich bin stolz! Denn der neue Krimi aus der Alois-Aisner-Reihe, der sich mit der Rückkehr der Wölfe befasst, hat mich lange beschäftigt: insgesamt mehr als zwei Jahre. Die ersten Recherchen haben im November 2017 begonnen. Damals habe ich mich zunächst über das Schafehüten schlau gemacht. Außerdem habe ich die passende Örtlichkeit für einen bestimmten Schauplatz herausgesucht – mehr wird an dieser Stelle nicht verraten.

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Feierliches Hohwachter Strandleuchten

Fackelwanderung "Hohwachter Strandleuchten"Neujahr, Teil II. Nachdem die Veranstaltung im vorigen Jahr wegen des miesen Wetters ausfallen musste, wurde es heute zum Ausgleich besonders schön. In Hohwacht an der Ostsee ruft man seit einigen Jahren zum Strandleuchten. Hunderte von Besuchern laufen mit Fackeln an der Waterkant entlang und illuminieren den Abschnitt zwischen Alt-Hohwacht und der Aussichtsplattform “Flunder”.

Ein Feuerkorb am Strand in HohwachtDie Touristiker sprechen marketingträchtig von Romantik – und haben Recht. Nicht nur, weil an der Flunder nach der offiziellen Begrüßung ein Wiener Walzer gespielt wird. Sondern schon vorher, während man mit vielen Menschen gemeinsam zum Treffpunkt ausschwärmt, ist die Stimmung feierlich.

Die Blaue Stunde zieht auf, eine Fackel nach der anderen wird entzündet. Je nach Gusto stapft, promeniert oder schlendert man durch den Sand oder am oberen Weg über der Steilküste entlang. An der Flunder erwarten einen dann außer Trink- und Essensständen Feuerkörbe und Musik.

Eine schöne Veranstaltung – so verspricht das gerade begonnene Jahr, ein gutes zu werden.


Fotos: Karla Letterman

Der Wunsch des Graureihers

Eine Fabel zum Jahresbeginn

Pfau und Graureiher sitzen nebeneinanderAm späten Nachmittags des ersten Januartages saßen Pfau und Graureiher nebeneinander an einem kahlen Abhang.

Der Reiher seufzte. »Ich wünschte, ich wäre ein so prachtvoller Vogel wie du! Dann hätte ich eine Chance gehabt.«

»Eine Chance? Worauf denn?«, erkundigte sich der Pfau und bewegte anmutig sein Haupt, sodass sein Kopfschmuck im verbleibenden Licht glitzerte.

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Das Blaue vom Himmel

Blaue RiesenbrilleHeute bin ich blau!
Heute mache ich blau!
Heute könnt Ihr mit mir das blaue Wunder erleben!

Aber nicht, dass am Ende noch jemand den Blues bekommt…

Der Neujahrstag ist ein geradezu ideales Datum, um sich mit Redewendungen rund um die Farbe Blau zu beschäftigen.

 

 

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Das Meer

Aufgewühltes Meer bei Dahme Wer ein schwieriges Jahr hinter sich hat oder zumindest ein Jahr, in dem es Anlässe zum Verzweifeln gab, möge bedenken:

Ein ruhiges Meer macht keine guten Seeleute.

Ein Mann am Strand bei aufgewühlter SeeMal wird diese Erkenntnis als afrikanisches Sprichwort zitiert, mal als bretonische Weisheit. Fest steht: Auch an Nord- und Ostsee ist sie gültig.

Und wer sich durch Widrigkeiten navigiert hat, hat als guter Seemann die Hoffnung, dem nächsten Sturm gewachsen zu sein. In diesem Sinne: Sammeln Sie Ihre Kräfte für den nächsten Aufbruch, wappnen Sie sich für Überraschungen aller Art auf hoher See!


Fotos: Karla Letterman

Hirschpirscher in der Stadt

Karla Letterman mit Hirschpirscher-HutIm November 1887 betrat Sherlock Holmes als schrulliger, hochintelligenter Detektiv die Weltbühne. 132 Jahre später ist die Kunstfigur noch immer populär – und mit ihr eine ganz besondere Kopfbedeckung, die  Deerstalker Cap. Zu deutsch: die Hirschpirscher-Kappe. Eigentlich ist dieser Hut bei Sherlocks Arbeit vollkommen unangebracht. Mehr…

Keine Zukunft ohne Bauern!

Bauern auf dem Weg zur Demo in Berlin Da staunte die Redaktion der Lübecker Nachrichten (LN) nicht schlecht: Am Nachmittag des 27. November fuhren verärgerte Leser*innen vor dem Verlagsgebäude vor – im Traktor. „Keine Zukunft ohne Bauern!“ hatten sie auf ein Plakat geschrieben. Und dann erklärten sie dem Chefredakteur den Anlass ihres Unmutes, nämlich eine Karikatur in der Mittwochsausgabe. Sie zeigt zwei Menschen im Gespräch vor einem Bienenstock am Rande eines Feldes, auf dem ein Trecker unterwegs ist. Die beiden staunen über neue Sorten wie „Glyphosathonig“ und „Nitrathonig“.

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Schlafplatz neben der Autobahn

Krähenbaum an der Lohmühle in LübeckNeues aus meiner Reihe „verkannte Tiere“: In unserem Viertel gibt es einen Krähenbaum, der über magische Anziehungskräfte verfügen muss. Zum ersten Mal beobachtete ich das Schauspiel vor etwa einem Jahr, doch ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Ich fuhr im Dämmerlicht über die Lübecker Lohmühle, eine unwirtliche vierspurige Straße bei der Autobahn. Da wurde es auf einen Schlag dunkel.

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Die kleine Schwester des Hutes

Bild von ArtTower auf Pixabay (Fliegermütze)Sie schützt vor Regen und Wind, wärmt die Ohren und kann das Aussehen ganz beträchtlich verändern. Die kleine Schwester des Hutes, die Kappe, hat eine eigene Würdigung verdient!

Fliegermützen verleihen nicht nur Pionierinnen wie der Pilotin Elly Beinhorn ein verwegenes und entschlossenes Aussehen.  Sie umgeben ihre Trägerin, ihren Träger mit dem Hauch von Aufbruch, selbst wenn sie nur auf dem Weg zum Supermarkt getragen werden. Mehr…

Das Geheimnis von Grüngel-Brot

Bunte Paprikaschoten

Zutaten für Grüngel-Brot

Als ich mit meiner Freundin Elke über gesunde Ernährung plauderte, überraschte sie mich mit folgender Mitteilung:

“Ich mache mir mittags jetzt oft Grüngel-Brot. Das ist schnell zubereitet und wird jedes Mal anders. Echt lecker!”

“Und was ist ‘Grüngel’?”, fragte ich verblüfft, denn davon hatte ich nie gehört. Mehr…

Transparenz bei der Online-Bewertung

Sternchen in der Online-Bewertung Transparenz ist was Tolles. Was geschieht, ist klar ersichtlich, Mauscheleien wird der Riegel vorgeschoben. So haben wir den Begriff Transparenz kennen und schätzen gelernt.
Bewertungen, die man in digitaler Form vornimmt – meist, indem man Sternchen verteilt – sollen für Transparenz sorgen. Kunden bewerten den Anbieter, damit andere Kunden sich im Vorfeld informieren und vergleichen können.
Ich habe Transparenz im Internet in einer für mich neuen Form erlebt. Mehr…

Tuckernd in die Zukunft

Aufnahme des FahrgastbetriebsHeute Nachmittag wurde in Lauenburg der Fahrgastbetrieb des autonom fahrenden Kleinbusses „TaBuLa“ aufgenommen. Die Abkürzung steht für „Testzentrum für automatisiert verkehrende Busse im Kreis Herzogtum Lauenburg“. Dass es sich um Testbetrieb handelt, merkt man schnell: Der putzig daherkommende Kleinbus fährt noch etwas stotternd, tuckernd in die Zukunft.

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Rhetorik zum Tag der Einheit

RichtungspfeileEs ist ein alter rhetorischer Trick. Man antwortet auf eine Frage, die gar nicht gestellt wurde, und lässt die tatsächlich formulierte Frage links liegen.

Die Formulierung ‚links liegen lassen’ ist in diesem Fall unfreiwillig passend, denn es geht um den Landesvorstand der Nord-AfD. Der hat im Zusammenhang mit dem Parteiausschluss seiner Ex-Vorsitzenden bekannter Maßen eine so deutlich rechte Haltung eingenommen, dass selbst der AfD-Bundesvorstand dagegen fortschrittlich wirkt. Mehr…

Spinnerei von der Zucker-Spinne

Es war einmal eine Spinne, die lebte im Konferenzraum einer großen Firma. Dort fanden oft Treffen und Vorträge statt, und die Spinne hockte in der dunklen Ecke unterm Fensterbrett und lauschte. Sobald sich eine Konferenz ohne Frauen abspielte, redeten die Männer ein bisschen über Berufliches und viel über das weibliche Geschlecht.

Wenn die Männer eine Frau anhimmelten, sprachen sie von der Zuckerschnitte. Wenn sie eine Frau süß fanden, war sie das Zuckermäulchen. Auch von Zuckerstück und Zuckerschnute redeten sie.

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Kontinuum – wenn das Verstehen nicht aufhört

Performance Kontinuum in LübeckSamstagabend hat mich mein Lieblingsfotografundehemann zur Show ins Lübecker Burgkloster eingeladen. „Kontinuum“ hieß die Performance der Tanztheatergruppe TanzOrtNord, sprich der Künstlerinnen Ulla Benninghoven und Shiao Ing Oei, und ich erwartete viel, denn die beiden hatten auch am CirQles-Projekt im vorigen Jahr mitgewirkt.

Wieder begeisterten mich Musik und Choreografien in den historischen Räumen, wenngleich mir klar war, dass ich nicht jede Anspielung verstand. Zum Beispiel blieben mir die Auftritte eines Trommlers und eines Dudelsackspielers rätselhaft. Mehr…