Fifty Shades of White

weißes Fahrrad vor weißer WandSchneeweiß, perlweiß, altweiß, schmutzigweiß, zahnweiß, kalkweiß, barytweiß, wolkenweiß, cremeweiß, alabasterweiß… undsoweiter, undsoweißer.

Auch wenn Weiß keine Farbe ist, so gibt es davon so viele Schattierungen, dass man mit etwas Fantasie sicher auf fifty shades of white kommt.

Weiße Flächen und Gegenstände entfalten ihre Wirkung durch die Umgebung: Weiß ist ein Chamäleon! Doch diese Tatsache kommt in Redewendungen verblüffend selten zum Ausdruck. Die „weiße Weste“ steht für ein reines Gewissen, das weiße Kleid für Unschuld, die weiße Taube für Frieden.

Die Assoziation, die wir mit weißen Dingen verbinden, ist strahlend, sauber, unverdächtig. Und so ruft der Satz  „Ein weißes Fahrrad steht vor einer weiß getünchten Wand und wird von der Sonne beleuchtet“ sicher ein anderes Bild im Kopf hervor als dieses Foto.

Die Wirkung hier ist eher verdächtig-weiß. Das liegt nicht nur an der Kombination aus verschiedenen Schattierungen. Vielmehr bestimmt der Kontrast die Atmosphäre. Der strahlend weiße Ausblick hat etwas unangenehm Grelles, beinah wie ein Spotlight beim Verhör…


Foto: Karla Letterman

Über Karla Letterman

Krimiautorin und Kolumnistin aus Lübeck. Stammt aus dem Harz und hat in Göttingen und Hamburg gelebt.
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