Die Criminale 2026 in Salzburg

Abschlussgala der Criminale 2026 in SalzburgDas Syndikat, der größte Zusammenschluss deutschsprachiger Krimiautor:innen, trifft sich jedes Jahr in einer anderen Stadt zur Criminale, der Jahrestagung mit Weiterbildungsprogramm. In diesem Jahr reisten wir im Mai nach Salzburg. Klar, dass außer dem offiziellen Programm auch Wiedersehens-Sektchen, private Stadterkundungen mit Würstl-Verkostung und Nachtspaziergänge auf dem Programm standen 😉 Und doch blieb genügend Raum für Seminare, Diskussionen und Preisverleihungen. Und zum Abschluss des vielseitigen Programms stand die ebenso ungläubige wie traurige Frage: Wie, schon vorbei?

Wiedersehen

Karla Letterman und Sabina NaberGefühlt an jeder Ecke der Innenstadt traf man auf Menschen, die ein rotes Halsband mit dem rot-schwarzen Emblem trugen, dem Criminale-Badge. Wer – wie ich – schon mehrere Criminalen erleben durfte, traf liebe Bekannte wieder. Besonders gefreut hat mich das Wiedersehen mit Sabina Naber, meiner Criminale-Patin von 2019, als ich in Aachen zum ersten Mal dabei war. Jawohl, auch das ist das Syndikat: Man betreut fürsorglich Neulinge.

Stadterkundung

Die leere Hülle als PietaIn diesem Abschnitt könnte ich unzählige Bilder posten: Von berühmten Plätzen, vornehmen Geschäften, Wolferl hier und Wolferl da (und sei es als Porträt auf dem Einwickelpapier der nach ihm benannten Kugeln…), feiner Mehlspeis, knackigen Debrezinern, der Festung Hohensalzburg, barocker Architektur und prächtigen Brunnen.

Ich beschränke mich auf die Pietà-Darstellung als leere Hülle. Ein Abbild der berühmten Skulptur unter dem Dombogen, die die Prager Künstlerin Anna Chromy gestaltete, fand ich nämlich auch auf dem Petersfriedhof, der nicht nur wegen seiner in den Festungsberg eingebauten Katakomben sehenswert ist.

Die Pietà ist traditionellerweise die Darstellung Marias als Schmerzensmutter mit dem Leichnam Jesu. Anna Chomy schuf 1999 eine etwas rätselhafte Skulptur, die über eine unheimliche Ausstrahlung verfügt. Auf dem Sockel der Domplatz-Skulptur ist zu lesen: „Die leere Hülle als Symbol dessen was uns überlebt: die Liebe, die wir gaben, die Werke, die wir schufen, das Leid, das wir erdulden.“

 

Weiterbildung

Bereits im Vorfeld der Criminale reizte mich das Thema Cybercrime. Wie gut, dass es zwei Seminare dazu gab – geleitet von einem Spezialisten der Österreichischen Kriminalpolizei!

Nachtaufnahme von SalzburgFotografieren durften wir dabei nicht. Doch dazu wäre ich sowieso nicht imstande gewesen, denn mir blieb die Spucke weg, als ich erfuhr, wie einfach sich die digitalen Informationen, die modernen Autos speichern,  zur Überwachung nutzen lassen!

Es dauerte einige Stunden, bis meine Schockstarre nachließ. Dann knipste ich umso emsiger, und zwar einen kriminell schönen Anblick: Salzburg bei Nacht.

 

Ehrung, Preisverleihung, Jubiläum

Eröffnungsgala der Criminale 2026Die Höhepunkte einer jeden Criminale sind die Auszeichnungen, die nach dem Schweizer Krimi-Pionier Friedrich Glauser benannten Preise.

Es begann mit der feierlichen Eröffnungsgala. Übrigens fand sie – wie die Abschlussgala, s.a. das Titelbild dieses Beitrags – an historisch bedeutender Stelle statt, nämlich in der Großen Universitätsaula. Das Moderatorenteam wurde nicht müde zu betonen, dass an genau dieser Stelle der erst elfjährige Mozart die Aufführung seiner Oper „Apollo et Hyacinthus“ erlebte. Und nun wurde hier die Verlegerin Else Laudan für ihr „herausragendes Engagement für die deutschsprachige Krimiszene“ mit dem Ehrenglauser geehrt.

Buchcover von "Blaues Wunder"Fünf Glauser-Preise – in den Kategorien Kriminalroman, Debütroman, Kurzkrimi, Jugendkrimi und Kinderkrimi – wurden während der Abschlussgala verliehen, und die ausgezeichneten Titel wurden von Schauspielerin Theresa Prammer vorgetragen. Besonders beeindruckt hat mich der Textauszug aus Anne Freytags Roman „Blaues Wunder“. Inzwischen besitze ich das Buch, habe es verschlungen – und gebe eine klare Leseempfehlung ab!

Da das Syndikat überdies Geburtstag feierte, gab es in Salzburg eine weitere Auszeichnung. Die „Goldene Pfeffermühle“ (ein Insider) wurde Fred Breinersdorfer überreicht, der gemeinsam mit Peter Schmidt vor 40 Jahren den Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur gründete.


Fotos: Karla Letterman

Über Karla Letterman

Krimiautorin und Kolumnistin aus Lübeck. Stammt aus dem Harz und hat in Göttingen und Hamburg gelebt.
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