Mitfiebern im Krimi-Salon

Kundinnen im Friseursalon lauschen einer LesungEin Besuch im Friseursalon ist häufig mit einer gewissen Spannung verbunden. Werde ich mit dem neuen Haarschnitt so aussehen, wie ich es mir vorgestellt habe? Steht mir der Farbton himbeersorbet wirklich? Lohnt sich eine Investition in Color-Melting-Strähnchen?

Im Lübecker Salon Martens trieben die Kundinnen am Mittwoch ganz andere Fragen um. Etwa: Hat die Eierverkäuferin auf dem Wochenmarkt wirklich über den Pizzaboten gelästert? An welchem Haus genau hängen diese mehrfach überklebten Klingelschilder? Und ist das Brolingviertel (gleich hier um die Ecke) ein gefährliches Pflaster?

Mitfiebern im Krimi-SalonWo sonst nämlich Scherengeklapper und Föhnsummen den Ton bestimmen, lauschten die Anwesenden am Nachmittag einer Lesung. Meiner Lesung. Und ich hatte aus dem Roman „Die Trauerrednerin und der verschwundene Bote“ Stellen herausgesucht, die ganz in der Nähe des Friseursalons spielen, im Brolingviertel im Lübecker Stadtteil St. Lorenz Nord.

Dort ist meine Ermittlerin, die Trauerrednerin Penni Sattler, zu Hause. Und dort entdeckt sie in diesem Fall eine unheimliche Souterrain-Wohnung, lernt einen durchgedrehten Ex-Pizzaboten kennen und einen undurchsichtigen Schauspieler.

Das aufmerksame Publikum fieberte regelrecht mit: Kommt Penni aus der Wohnung mit den drei massiven Türriegeln heil wieder heraus? Welchen Trick wendet sie an, um einen verstockten Mitbewohner zum Reden zu bringen? Und was hat sie in ihrer Zeit als Assistentin eines Detektivs daürber gelernt, wie man einen dubiosen Gesprächspartner auf Abstand hält?

Salon-Inhaberin Andrea Timcke, die den Roman schon kannte, konnte immerhin insofern beruhigen: Es gibt keine brutalen Gewaltszenen. Und ich ergänzte: Die gibt es in meinen Krimis nie!


Fotos: Mareike Timcke

Über Karla Letterman

Krimiautorin und Kolumnistin aus Lübeck. Stammt aus dem Harz und hat in Göttingen und Hamburg gelebt.
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