Zwei Künstler – ein Gedanke

Zwei Künstler - ein Gedanke

Thomas Schmitt-Schech und Wolfgang Blockus’ Witwe Michaela Berning-Tournier in der Ausstellung

In der Lübecker Galerie Artler ist ab 27. März eine Ausstellung mit dem Titel ›Zwei Künstler – ein Gedanke‹ zu sehen. Die Exponate sind Ölbilder von Wolfgang Blockus und Fotografien von Thomas Schmitt-Schech.

Den Titel wünschte sich Wolfgang Blockus für die Ausstellung, die er kurz vor seinem Tod im vergangenen Jahr zusammen mit dem Künstlerfreund Schmitt-Schech konzipierte.

Wer nun etwa identische Motive, umgesetzt in unterschiedlichen Techniken, erwartet, sieht sich eines Besseren belehrt. Auch wenn die Bilder miteinander harmonieren, so haben sie unterschiedliche Sujets. Was also ist der Gedanke, der beiden Werken zugrunde liegt?

Blockus’ Witwe Michaela Berning-Tournier, selbst Malerin und Bildhauerin, hat die Idee in Worte gefasst. Während sich Blockus’ frühe Arbeiten umweltkritisch mit der industrialisierten Landschaft auseinandersetzten, so Berning-Tournier, habe der Mensch in seinen Bildern zunehmend an Bedeutung verloren.

Bedeutungsloser Mensch

»Der Mensch stellt nur eine kurze Episode auf der Zeitleiste dar. Natur aber steht für Zeitlosigkeit und Ewigkeit. Die Landschaften sind verlassen und menschenleer (…). Die Farben sind grau, eisig weiß oder erdig. (…) Auf fast meditative Weise erfährt der Betrachter die Bedeutungslosigkeit des Menschen angesichts der Unvergänglichkeit der Natur.«

Wolfgang Blockus’ Ölbilder haben etwas Gewaltiges, wenn man so will, Einschüchterndes. Gleichzeitig sind sie von zeitloser Schönheit und Erhabenheit. Gerade an seinen letzten Motiven zeigt er das Helle, beinah Strahlende.

Auch in Thomas Schmitt-Schechs Arbeiten wirken die menschlichen Spuren eher verloren. Ein einsames Haus, Strommasten inmitten verwaister Landschaft, eine Telefonzelle im Nirgendwo.

Michaela Berning-Tournier drückt es so aus:

»Über allem lagert eine düstere Atmosphäre, die beim Betrachter ein Gefühl von Verlassenheit hervorruft. Auch diese Bilder sind reduziert auf das Wesentliche der meist kargen Landschaft, die fern jeder Idylle ist. Über allem breitet sich eine Melancholie aus, die Nachdenklichkeit hervorruft und die Frage nach der Bedeutung des Menschen stellt.«

Eine Frage, die aktueller nicht sein könnte.

Zwei Bilder der Ausstellung "Zwei Künstler - ein Gedanke"

Karla Letterman

Über Karla Letterman

Krimiautorin und Kolumnistin aus Lübeck. Stammt aus dem Harz und hat in Göttingen und Hamburg gelebt.
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