Hexenforschung ernst gemeint

Alte Ordner zur HexenforschungDas Thema Hexenforschung, von dem in meinem Krimi “Die Hexenpapiere” die Rede ist, hat einen realen historischen Hintergrund. Heinrich Himmler, durchgedreht, größenwahnsinnig, symbolbesessen und esoterisch wie er war, hatte sich einem Projekt gewidmet, das in Vergessenheit geraten ist. Es war wohl auch in der Öffentlichkeit wenig bekannt, obgleich seinerzeit viele (Möchtegern-) Wissenschaftler damit befasst waren.
Es nannte sich „Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe“ und beinhaltete den so genannten „H-Sonderauftrag“, in dem das H in typischer Nazi-Abkürzmanier für Hexen stand.

Erarbeitet wurde die sog. Hexenkartographie – eine Deutschlandkarte, in der diejenigen Orte besonders hervorgehoben waren, die eine wichtige Hexendynastie hervorgebracht haben sollten. Doch sie war und blieb unvollständig. Himmler und seine Schergen schickten Interviewer und Forscher landauf, landab, viele Mosaiksteinchen wurden gesammelt. Doch sie ergaben kein zusammenhängendes Bild.

Himmlers Besessenheit

Himmler war offenbar von der Vorstellung besessen, er stamme von einer Hexe namens Passaquay ab. Deshalb machte er die Geschichte der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung zu einem seiner Lieblingsthemen. Dahinter stand auch sein Vorwurf an die katholische Kirche, altgermanisches Erbe vernichten zu wollen.

Diese Hintergründe – Stichworte altgermanische Kultur, Heldentum, völkische Tugenden, Herrenmenschen u. dgl. m. werden hervorragend und auch für Laien verständlich beschrieben in dem Buch: Langebach, Martin und Sturm, Michael (Hrsg.): Erinnerungsorte der extremen Rechten. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015.


Foto: pixabay

Karla Letterman

Über Karla Letterman

Krimiautorin und Kolumnistin aus Lübeck. Stammt aus dem Harz und hat in Göttingen und Hamburg gelebt.
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