Telemedizin: Reif für die Inseln

Ein Notebook mit MedizinratgeberseiteDie Schleswig-Holsteinische Landesärztekammer sieht Grund zum Jubeln: Der Weg für die Telemedizin ist frei! Seit 2016, so hat ihr Sprecher und ärztlicher Geschäftsführer Dr. Carsten Leffmann bekanntgegeben, beschäftigt sich die Kammer „intensiv mit der Telemedizin“. Der Grund: die ärztliche Versorgung auf schwer zugänglichen Inseln wie den Halligen lasse sich dadurch verbessern.

Leffmann macht das Projekt bereits seit längerem landauf, landab bekannt. Die Landesärztekammer änderte als erste in Deutschland im April 2018 ihre Berufsordnung – nun kommt Schwung in die Sache. Noch im Juni 2018 los es losgehen. Was wird es bringen? Die Erstbehandlung so genannter Bagatellkrankheiten soll ohne persönlichen Kontakt zwischen Ärztin und Patient vonstattengehen. Also: tschüß fühlen, tasten und in den Rachen schauen; hallo Ferndiagnose!

Plötzlich ist Ferndiagnose sicher…

War jahrelang von Ärztevertretern zu hören, eine Diagnose per Internet sei viel zu unsicher, gilt das plötzlich offenbar nicht mehr. Was ebenfalls jahrelang zu hören war: Es fehlt an Ärztenachwuchs für ländliche Regionen, und zwar dramatisch. Vermutlich auch deshalb lobt Landesgesundheitsminister Heiner Garg den Beschluss des Bundesärztetags vom 10. Mai 2018, das Fernbehandlungsverbot aufzuheben. Sein Ministerium hat die Genehmigung daraufhin fix erteilt.

Laptop und medizinische Geräte„Telemedizin kann dabei eine Brücke zwischen ambulantem und stationärem Sektor sowie zwischen ländlichem Raum und Spezialisten in Ballungsgebieten schlagen“, heißt es in der vom Ministerium veröffentlichten Stellungnahme. Teilweise drückt Garg sich vorsichtig aus: Die Fernbehandlung könne eine sinnvolle Ergänzung für die Behandlung der Patienten sein, lässt er sich zitieren. Anderereseits hat er auch gesagt: Telemedizin werde „einen zunehmend wichtigeren Beitrag zur Sicherung der Versorgung leisten“. Diese Aussage klingt kaum nach Zweifeln an der Zukunft der ärztlichen Versorgung.

Wie formulierte noch gleich Carsten Leffmann von der Landesärztekammer in einem Vortrag? Das Arzt-Patienten-Verhältnis wird neu definiert!

Aussagefähige Kataloge über die „Bagatellkrankheiten“ findet man noch nicht. Statt dessen heißt es eher vage „zum Beispiel bei Insektenstichen, Heuschnupfen oder Erkältungen“. Nun verzichte auch ich gern darauf, in einem überfüllten Wartezimmer Stunden meines Lebens zu verschwenden. Doch lässt sich ein Erkältungshusten in der Internetsprechstunde eindeutig von Asthma unterscheiden? Ehrlich gestanden bin ich froh, auf keiner Insel zu wohnen.

Mal sehen, wie sich die Bevölkerung dort in den nächsten zwei, drei Jahren entwickelt…


Fotos: Karla Letterman; pixabay.com

Karla Letterman

Über Karla Letterman

Krimiautorin und Kolumnistin aus Lübeck. Stammt aus dem Harz und hat in Göttingen und Hamburg gelebt.
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