Slammerlämmer ganz groß

die drei Sieger des U20-Slams in Lübeck

Anastasia aus Kiel, Korinna aus Lübeck und Felix aus Hamburg

Poetry Slam U20 nennt sich lapidar eine Veranstaltungsreihe im Kinderliteraturhaus Lübeck. Wer hingeht, wird angeblökt!Im Haus der Bücherpiraten – einer bundesweit einmaligen Einrichtung mit Schreib- und Leseprojekten für Kinder und Jugendliche – trifft sich regelmäßig eine Gruppe mit dem schönen Namen Slammerlämmer. Die Mädchen und Jungs slammen aber nicht nur selbst, sie veranstalten auch Wettbewerbe, zu denen sie andere junge Wortakrobaten einladen. Am Freitag war ich dabei.

Opferlamm und Blökometer

Erwachsene sind bei den Slammerlämmern und ihren Veranstaltungen Beiwerk. Weder erlebt man sie als Moderatoren auf der Bühne, noch haben sie als Zuschauer was zu sagen. Die Wettbewerbsjury besteht nur aus Menschen U20.

Abgestimmt wird nicht, wie man es von anderen Poetry Slams kennt, durch Klatschen – hier wird stilgerecht geblökt! Dafür verteilen die Organisatoren vorab so genannte Blökometer (kleine Dosen, die beim Umdrehen einen entsprechenden Ton von sich geben) an den jugendlichen Teil des Publikums. Und dann geht’s los. Ein „Opferlamm“, das sich außerhalb der Wertung abmüht (ab-mäht?), trägt den ersten Beitrag vor – zum Willkommenheißen und „Warmwerden“.

Nun sind die Erwachsenen doch an der Reihe: sie staunen. Über die Themenvielfalt, die Fantasie und Wortgewalt der jungen Akteure und auch über Organisation und kreative Moderation.

Vom Dialog zweier Clownfische geht es über Marienkäfer im Bauch zu größeren Tieren (dazu gleich mehr). Ein Loblied aufs Landleben enthält der gewitzte „Brief an die Großstadt“. Von zerbrechenden Herzen ist die Rede und von der Schulter zum Anlehnen. Der alte Streit zwischen Natur- und Geisteswissenschaften wird ausgelotet, um überwunden zu werden. „Dunkelbunt“ und sehr poetisch werden die Übergänge zwischen Tag und Nacht beschrieben – man bekommt Lust, die „Blaue Stunde“ wieder einmal genauer zu betrachten. Schließlich nimmt Thore von den Slammerlämmern den Wettbewerb auf die Schippe, indem er zwischen „Anfang“ und „dies ist das Ende“ lange schweigt.

Korinna und die „Gaulquappen“

Viele der jungen Poetry Slammer haben mich sehr beeindruckt. Anastasia und Felix mit ihrer kritischen Sicht der Dinge, Nana mit ihrer Poesie. Ich möchte ein wenig mehr vom Beitrag der jüngsten Teilnehmerin erzählen, Korinna. „Mein Lieblingstier ist das Pferd“, begann sie unbekümmert, und knüpfte ein irrwitziges Netz von den Seepferden zu „Tümpel- und Pfützenpferden“: „Von denen stammen die Gaulquapen ab.“

Im Alter schimmeln die großen Vierbeiner – doch vorher haben sie uns Menschen schon mit vielerlei Musik erfreut, zum Beispiel Rossini. Besonders viele Pferdestärken – wen wundert’s – haben Pferdinand Porsches Autos. Wer auch ein Pferd kaufen will, dem empfiehlt sie Rossmann, besonders in Ros(s)tock. Ein Pony gibt’s schon für ’nen Penny, ein großes Pferd kostet leider etwas mehr.

Korinnas frische Art und ihre frechen Fantasieprodukte wurden mit herzlichem Lachen quittiert. Ich meinte: Wiehern!

Ich werde nicht die einzige sein, die rechtzeitig vor dem nächsten Slam-Abend im Kinderliteraturhaus zur Vorverkaufskasse trabt…

Poetry Slammer unter 20

Anastasia, Korinna und Felix (v.l.) waren die Sieger/innen beim „Sonnenbrand im Slammerland“-Wettbewerb


Fotos: Karla Letterman

Karla Letterman

Über Karla Letterman

Krimiautorin und Kolumnistin aus Lübeck. Stammt aus dem Harz und hat in Göttingen und Hamburg gelebt.
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