Kontinuum – wenn das Verstehen nicht aufhört

Performance Kontinuum in LübeckSamstagabend hat mich mein Lieblingsfotografundehemann zur Show ins Lübecker Burgkloster eingeladen. „Kontinuum“ hieß die Performance der Tanztheatergruppe TanzOrtNord, sprich der Künstlerinnen Ulla Benninghoven und Shiao Ing Oei, und ich erwartete viel, denn die beiden hatten auch am CirQles-Projekt im vorigen Jahr mitgewirkt.

Wieder begeisterten mich Musik und Choreografien in den historischen Räumen, wenngleich mir klar war, dass ich nicht jede Anspielung verstand. Zum Beispiel blieben mir die Auftritte eines Trommlers und eines Dudelsackspielers rätselhaft.

Wahre Kunst zeichnet sich dadurch aus, dass man sie auf verschiedenen Ebenen begreifen kann. So ist es bei Kontinuum. Auch wenn man sich keine Gedanken über den historischen Kontext macht, kann man die Ästhetik der Tänze und Choreografien genießen, ganz zu schweigen von der Musik, die einen Bogen spannt von Solo-Trommelstücken über Klezmer mit Klarinette und Akkordeon bis zur Bach’schen Cello-Suite. Beim lebensfrohen Finale ist auch besagter Piper mit von der Partie. Ich nahm es hin und freute mich.

Erkenntnis am Burgtor

Beim heutigen Tag des Offenen Denkmals trieben wir uns – der Zufall wollte es – wieder im Lübecker Burgtorviertel herum. Wir gerieten in eine Führung im Jugendzentrum Burgtor, besichtigten das Offizium, hörten vom Gefängnis und einer Sage. Danach soll eine Musikantengruppe im Marstall-Gefängnis so herzerweichend gespielt haben, dass selbst durchtriebene Gauner ihre Missetaten bereuten. Ratsdiener Markrabe, der die Schlüsselgewalt über den Marstall besaß, soll durch die Musik die Insassen zu besseren Menschen gemacht haben.

Den Figuren dieser Sage begegneten wir dann noch zweimal. Zum ersten Mal in geschnitzter Form an einem Fries, den wir vom Fenster des Offiziums aus sahen. Wandmosaik mit MusikantenZum zweiten ist gerade ein 60 Jahre altes Mosaik-Wandbild des Lübecker Künstlers Peter Thienhaus restauriert worden, das im Eingangsbereich des Jugendzentrums ausgestellt ist.

Und da schloss sich der Kreis zur Kontinuum-Aufführung. Denn einer der Musiker aus der Sage ist ein Dudelsackspieler, und ein Trommler ist auch dabei. Der Musikant aus dem Gefängnishof! Mit der Kenntnis der Sage erschließt sich ein weiteres Stückchen aus der Tanz-Performance. Genauso war es auch bei CirQles I und CirQles II im vorigen Jahr. Die Stücke ermöglichen Verständnis auf verschiedenen Ebenen – es gibt noch so viel zu entdecken!

Entdeckt habe ich zu meinem Entzücken auch den Artikel auf „unser-luebeck.de“, in dem die Einladung angekündigt wird!


Fotos: Thomas Schmitt-Schech (1); Karla Letterman (2, 3)

Karla Letterman

Über Karla Letterman

Krimiautorin und Kolumnistin aus Lübeck. Stammt aus dem Harz und hat in Göttingen und Hamburg gelebt.
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