Me, myself & I

Karla Letterman mit Statue

Gestatten? Ich bin Karla Letterman, Autorin – und nun fehlen mir ausgerechnet die Worte zur Begrüßung… Wünsche ich wie die Bergleute „Glückauf“, oder rufe ich lieber norddeutsch-lässig „Moin!“? Ich kann mich nicht entscheiden. Denn mein Herz hüpft fröhlich im Harz und überschlägt sich vor Freude an der Ostsee! Meine Heimat ist Südniedersachsen; nach Schleswig-Holstein, das Bundesland der glücklichsten Deutschen, gehöre ich hin.

In Göttingen lernte ich das journalistische Handwerk, in Hamburg übte ich Philosophieren und Programmieren. Man sieht es nicht gleich, doch all das hat auch mit Krimis zu tun. Die Reporterin lernt recherchieren. Philosophie setzt Logik voraus. Und für die Fehlersuche bei der Software-Entwicklung braucht es detektivischen Spürsinn.

Irgendwie habe ich es mit der Alltagstauglichkeit hingekriegt. Doch eigentlich…
…eigentlich sind für mich die Tage zum Träumen, Menschen beobachten und Staunen da. Abends mache ich mich auf Recherchetour, und nachts, wenn die Welt mit all ihrem Klappern, Rattern, Schnattern und Rasseln innehält, fröne ich meiner Leidenschaft, dem Schreiben.

Als Autorin kenne ich kein Pardon gegenüber meiner Umwelt. Will heißen: ich verfasse Beiträge über alles, worüber ich stolpere, vom schrägen Trend in der Fotografie über Sinnsprüche bis hin zu missglückten Englisch-Übersetzungen. Manchmal veröffentliche ich die Beiträge auch… Dafür habe ich eine eigene Kolumne eingerichtet.

Was mich begeistert

Eine Straße in den schottischen Highlands, gesäumt mit Ginster

Ich liebe schroffe Felswände und das Meer, wilde Landschaft, Architektur und Fotografie. Gutes Essen und Trinken. Und Hüte!
Landschaften, in denen Wasser zusammen mit Stein dekoriert ist, finde ich genial. Das bietet meine Heimat, der Harz, mit seinen mystischen Felskompositionen und den klaren Bergseen. Weitere Sehnsuchtsorte sind das Salzkammergut, die Bretagne und Schottland.
Seit ich die schottischen Highlands selbst erlebt habe, ist mir klar, warum der Whisky mich umhaut. Er hat dasselbe ungebändigte Wesen und gibt sich genauso kompromisslos: Hate me or love me! Ich pflege letzteres.
In Braemar nicht weit von Edinburgh habe ich meine Sherlock-Holmes-Kappe erstanden. Denn ein Hut muss sein! Mein Psych sieht meinen Hang zu Hüten kritisch und sagt, ich wolle mich maskieren und habe Angst vor Aufrichtigkeit. Ich sage: ich will cool aussehen.

Was mich bedrückt

Als Autorin in Deutschland lebt es sich gut. Doch schon in einem unserer Lieblings-Urlaubsländer sieht es anders aus. Wähnen Erdogans Schergen in deiner Atemluft zu viele Freiheitsmoleküle, internieren sie dich. Ende der Debatte! Und das Land will zu Europa gehören? Da würde ich ganz schnell sagen: Ende der Diskussion.

Es gibt erschütternd viele Staaten, in denen Schriftstellerinnen und Journalisten mundtot gemacht werden. Darauf weist die Schriftstellervereinigung PEN unermüdlich hin. Darunter sind etliche beliebte Reiseziele. Meine Anregung: Vor der nächsten Urlaubsbuchung mal überlegen, ob „weißer Strand“, „super Hotel“ und „Must-See“ die einzigen Qualitätskriterien sein sollten.

Was mich bewegt

Kormorane auf einem HolzgeländerKurz zusammengefasst, sind es drei Themen, die mich derzeit besonders beschäftigen und die sich – mal mehr, mal weniger ausführlich – in meinen Romanen wiederfinden:

  • Rechtsradikalismus in Deutschland (Roman „Die Hexenpapiere“)
  • Digitalisierung des Alltagslebens, autonomes Fahren (Roman mit dem Arbeitstitel „Geisterbahn“)
  • Naturschutz, Umweltpädagogik und die Rückkehr des Wolfes (Roman mit dem Arbeitstitel „Die Schuld des Schäfers“)

Was zu sagen ist

Zuweilen sinkt man als Autorin kraftlos auf die abgenutzte Sitzbank am Wegrand, stützt halbherzig den schweren Kopf und hadert mit dem Dasein angesichts der Eingebung, dass schon alles Wichtige gesagt worden ist. Gibt es überhaupt noch ein frisches Fleckchen zum Freilassen der eigenen Worte?
Gibt es. Die Welt dreht sich weiter und verpasst den Gedanken einen neuen Tanz.
Und tief im Innern bilden Weisheiten das Fundament.

Das Leben kennt keine Schienen.
(Kodo Sawaki, japanischer Zen-Mönch)

 

Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben zu geben.
(Alexis Carrel, französischer Chirurg)

 

Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen!
(Oscar Wilde, irischer Dramatiker & Kritiker)

 

Es gibt nichts, was der Mensch völlig durchschaut.
(C.G. Jung, Schweizer Psychiater)

 


Fotos: Karla Letterman (2), Thomas Schmitt-Schech

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